Bunte Stifte und eine Hand bewegen sich in Stop-Motion-Manier über die Leinwand und das Kopfkino rattert los. Aus dem Off ist Michel Gondrys Stimme zu vernehmen, die auf Englisch mit französischem Akzent spricht. Die ausgespuckten Worte werden von ihrem Schöpfer sogleich schriftlich festgehalten. Der kreative Cineast ist im Zwiegespräch mit dem berühmten Linguisten Noam Chomsky. Was fragt er den grossen amerikanischen Denker?
In seinem Film «Is The Man Who Is Tall Happy?» entführt der französische Regisseur Michel Gondry in die komplexen Gedankengebilde des berühmten MIT-Professors. Die Fragen starten bei biografischen Stationen und enden in phi- losophischen Gefilden. Chomsky lenkt die Konversation geschickt auf seine Themen und stösst den Filmemacher ungeniert vor den Kopf.
Die Gedankengänge springen von der moder- nen Wissenschaft zu den Anfängen der Menschheit. Die Theorien zur Entwicklung der Sprache stellen nicht nur den Zuschauer vor Verständnisprobleme. In reflexiven Pausen beschreibt Gondry seine Sichtweise als Filmemacher. Er kommentiert den kreativen Prozess inklusive seiner Stolpersteine und hat Angst, dass sein Protagonist stirbt, bevor der Film fertig ist.
Die bunt gezeichneten Animationen kombiniert Gondry mit historischen Fotos und Videoaufnahmen ihrer Gespräche. Und mittendrin baut er eine kleine Ode an den analogen Film ein. Der Filmemacher tauscht seine digitale Kamera durch eine analoge Bolex-Kamera aus, damit die Aufnahmen nach 20 Minuten enden. Obwohl Gondry am Anfang seines Filmes die manipulative Natur einer filmischen Umsetzung betont, gewährt er uns viele persönliche Einblicke in seine Arbeits- und Denkweise. Am Ende dieser filmischen Odyssee hängen die Fragen bildlich in der Luft, was ganz im Sinne des berühmten Linguisten ist. (ml)
- RegieMichel Gondry
- LandFR
- Produktionsjahr2013
- Laufzeit1 Stunde 29 Minuten
- Sprache (Untertitel)Englisch
- Altersfreigabe14
