The Fake

Min-chul geht durch die Welt wie ein Wahnsinniger und gibt nur Fluchworte und Schläge von sich. Sein Tal soll wegen der Errichtung eines Staudammes geschwemmt werden. Anders als die heilsuchenden Dorfbewohner, die einer zwielichtigen Kirche und ihrem jungen Priester huldigen, lässt er sich nicht besänftigen.
Im Zentrum des Films stehen Min-chul als wild tobender Übervater, seine unterwürfige und bigotte Ehefrau und deren zukunftsorientierte Tochter, die gerade zum Hochschulstudium in Seoul zugelassen wurde. Die Stadt wird von den älteren Einwohnern nicht als Alternative betrachtet. Symptomatisch für ihre Lethargie verzichtet die tuberkulöse Ladenbesitzerin auf ihre Medikamente und lässt sich von ihrem Mann lieber Weihwasser holen.
Yeon Sang-hos Charaktere sind expressionistisch gezeichnet. Seinem Protagonisten stehen Hass und Wut geradezu ins Gesicht geschrieben. Nuanciert und in Diskrepanz zu ihrer äusseren Erscheinung gestalten sich jedoch ihre inneren Antriebe. Der Regisseur verwischt gekonnt die Trennlinie zwischen Gut und Böse. Vor der düster inszenierten Kulisse spitzt sich die Handlung bis zu einer beinahe biblischen Apokalypse zu. Dabei warnt Min-chul seine Mitbürger wie (ein gottloser) Jeremia gegen den Götzen: eine profit- orientierte Sekte.
Der junge koreanische Regisseur liess sich nach den ungedeckten Produktionskosten (150’000 US $) seines ersten Langfilms «The King of Pigs» nicht entmutigen. Nach dem Vorbild des japanischen Altmeisters Hayao Miyazaki festigt er mit «The Fake» seinen Ruf als ausgezeichneten Animationsfilmemacher für Erwachsene. Sein Stil, eine Kombination aus Handzeichnungen und computergenerierten Elementen, wirkt ultrarealistisch und erinnert an Ari Folmans «Waltz with Bashir». (rr)

  • RegieYeon Sang-ho
  • LandKR
  • Produktionsjahr2013
  • Laufzeit1 Stunde 41 Minuten
  • Sprache (Untertitel)Koreanisch (Englisch)
  • Altersfreigabe16