Histoire de Mr. Vieux-Bois

Histoire de Mr. Vieux-Bois

Während ab Ende der 1910er-Jahre bei der amerikanischen Produktion Zeichentrick auf Celluloid-Folien die Regel war, charakterisierten von 1908 bis 1930 Lege- und Puppentrick die europäische Animation. Deshalb ist „Histoire de Mr. Vieux-Bois“ (1921), die – bis auf einige Abmilderungen – werkgetreue, auf der autografischen Version von 1837 basierende Adaptation einer berühmten „Geschichte in Bildern“ des Genfer Schriftstellers, Zeichners und Pädagogen Rodolphe Töpffer, der Tradition von Emile Cohl und insbesondere seiner „Pieds Nickelés“ (1917–1918) zuzuordnen. Wie bei der amerikanischen Animation spielte auch in Europa die Adaptation älterer Bildergeschichten (Forton, Rabier, Kahles) bei der Entwicklung des einzelbildweise gefertigten Kinos in Richtung einer eigentlichen narrativen Dimension und seiner Identität als eigene Gattung eine entscheidende Rolle.

Von zwei Genfern, François Ehrenhold und Maurice Peyrot-Schlumberger, unter dem Zeichen von Pencil-Film finanziert, wurde „Histoire de Mr. Vieux-Bois“ dem Atelier Lortac (Paris) anvertraut, um eine moderne Kinofassung(!), dem Original dennoch treue Version von Töpffer zu schaffen. Ursprünglich als Dreiteiler konzipiert, wurden die burlesken Liebeswirren des Herrn Vieux Bois bald einmal und während der ganzen Zwischenkriegszeit an einem Stück gezeigt. Die Auswertung des Films blieb jedoch auf die Region beschränkt, obwohl eine der beiden aus jener Zeit erhaltenen Kopien zweisprachige Zwischentitel enthält, Anzeichen für die Absicht eines landesweiten Vertriebs.

Die digitale Restaurierung der Cinémathèque Suisse, in 4K auf Basis des von Peyrots Enkel Olivier Dunant 1980 hinterlegten 35mm-Originalnegativs, respektiert die vom Produktionsprozess herrührenden Mängel (verkratztes Negativ, leicht verschobene Bildausschnitte, Klebestellen…), aber auch die Grauabstufungen der ursprünglichen Kopien und die richtige Abspielgeschwindigkeit. Dieses Vorgehen erlaubt, die Technik des Legetricks auf nur einer Ebene ebenso eingehend zu begutachten wie das ihr eigene Spiel zwischen Arbeitsersparnis und Abwechslungsreichtum bei der Animation. Es macht die spezifischen Eigenheiten dieser einfachen, direkten Animationsmethode, bei welcher man den Rhythmus der Bewegungen aus dem Gefühl heraus bewerkstelligt, gut sichtbar, ebenso wie die Verarbeitung der Hintergründe, welche mit den Federstrichen des Originals auch dessen Modulation der Details übernimmt, oder auch die Anwendung von Zuglaschen. 

Text von Roland Cosandey und Caroline Fournier

  • Regie Lortac & Cavé
  • LandCH
  • Produktionsjahr1921
  • Laufzeit43 Minuten 8 Sekunden
  • Sprache (Untertitel)ohne Dialog
  • Altersfreigabe14+