Der Holländer Michael Dudok de Wit (*1953) muss mit der goldenen Hand für Animationsfilme geboren worden sein: Sein Kurzfilm «Le Moine et le Poisson» (Der Mönch und der Fisch) erhielt 1994 u. a. eine César-Auszeichnungen und eine Oscar-Nominierung; «Father and Daugther» aus dem Jahr 2000 wurde mit Preisen der Festivals Annecy und Stuttgart dekoriert – und beide werden auch heute noch an Festivals rund um die Erde gezeigt. Seine Filme haben die Eigenart, sich tief ins visuelle Gedächtnis einzuprägen und sind von einer Empathie getragen, die dem Publikum unter die Haut geht. 2008 kontaktierte das japanische Ghibli-Studio Dudok De Witt und startete mit ihm die erste internationale Koproduktion für «La Tortue rouge». Im Mai 2016 feierte der Film in Cannes Premiere; am Animationsfilmfestival in Annecy wurde er als Eröffnungsfilm gezeigt und der Regisseur mit einer Standing Ovation begrüsst. Nun wird er in Baden am Fantoche Festival gezeigt - das lange Warten hat sich gelohnt: Der Film zieht seine Zuschauer*innen von der ersten bis zur letzten Minute in den Bann. «La Tortue rouge» erinnert an eine mythologische Erzählung: Ein Schiffbrüchiger wird auf eine Insel gespült, auf der er alleine der Natur ausgesetzt ist. Er will die Insel verlassen, scheitert aber an einer roten Riesenschildkröte, die jedes seiner selbstgebauten Flosse zerstört. Als die Schildkröte sich in eine Frau transformiert, akzeptiert der Mann sein Schicksal auf der Insel. Zusammen erleben die beiden das unendlich starke Glück der Liebe und begleiten ihren Sohn auf seinem Weg ins Leben. Sie erfahren die Schönheit, Einfachheit und Reinheit im Einklang mit der Natur der Insel ebenso wie deren feindliche und zerstörerische Gewalt. Jedes einzelne Bild des Filmes ist eine ästhetische Wucht – sie beruhen auf Handzeichnungen mit Kohle, die in ihrer Textur beinahe taktil erscheinen. Die präzise Lichtführung durchstrahlt jede Einstellung; das langsame Erzähltempo steigert die emotionale Intensität ebenso wie die Tatsache, dass der Film vollständig auf verbale Erklärungen und Dialoge verzichtet. Stattdessen genügen Körperbewegungen, Blickwechsel, oder Kamerafahrten, um wahrnehmbar zu machen, was zwischen den Figuren und ihrer natürlichen Umgebung passiert.
- RegieMichael Dudok de Wit
- LandFRJP
- Produktionsjahr2016
- Laufzeit1 Stunde 20 Minuten
- Sprache (Untertitel)ohne Dialog
- Altersfreigabe8
