The Pain And The Pity

Der Film startet mit dem Abspann. Figuren- und Schauspielernamen ziehen über ein bewegtes Wolkengebilde und repetitive E-Gitarre simuliert die Versunkenheit eines Kinopublikums nach einem anregenden Film. Schwarze Silhouetten mit wabbelnden Umrissen und computergenerierten Stimmen beklagen sich über die fehlerhaften Angaben zur Rollenbesetzung. Alle fragen sich: «Wo bleibt unser Regisseur?»
Doch Phil Mulloy, der tatsächliche und im Film genannte Regisseur, taucht nicht auf der Leinwand auf. Der allmächtige «Director» wird im Film allenfalls durch eine prophetisch flüsternde Spinne verkörpert, die dem Protagonisten Roger befiehlt, seine Schauspielerkollegen der Reihe nach umzubringen. Zwar hebt sich Roger von den anderen schwarzen Masken mit seinem amerikanischen Akzent und den eckigen Gesichtskonturen ab. Doch seine Skizzenhaftigkeit lässt den Zuschauenden viel Spielraum für eigene Projektionen.
Nicht ganz ohne Ironie spielt die an Schattentheater erinnernde Animation zudem durchgehend mit Genrezitaten, vor allem mit solchen aus dem Krimifilm. Strategisch geschickt baut der britische Regisseur auch unsere potenziellen Reaktionen auf seinen Film in die Handlung ein: «Die Zeichnungen könnten mehr Ausdruck haben!», wirft etwa eine Stimme erbost ein. Mit enigmatischen Bildern wie etwa einer historischen Fotografie seiner Heimatstadt Wallasey und einem Porträt von sich im Kindesalter stellt er ebenfalls autobiografische Bezüge her. Sodass einen mitunter das Gefühl beschleicht, einem Selbstgespräch zwischen Mulloy und seinen Kreationen beizuwohnen. Als Abschluss einer Trilogie über Familie Christie zeugt «The Pain And The Pity» erneut für Mulloys Interesse an den Schattenseiten der menschlichen Natur und für seine kompromisslose Autorenpolitik: Take it or leave it! (rr)

  • RegiePhil Mulloy
  • LandGB
  • Produktionsjahr2013
  • Laufzeit1 Stunde 15 Minuten
  • Sprache (Untertitel)Englisch
  • Altersfreigabe8