Die elfjährige Wardi sorgt sich um ihren geliebten Urgrossvater Sidi. Denn er ist nicht nur sehr alt, sondern er hat ihr auch den Schlüssel übergeben, den er sonst immer bei sich trug. Wie viele Palästinenser*innen musste Sidi sein Zuhause 1948 im Krieg mit Israel verlassen und lebt seitdem im Flüchtlingslager Bourj el-Barajneh bei Beirut, wo auch Wardi aufgewachsen ist. Der Schlüssel zu seinem alten Haus war stets das Zeichen seiner Hoffnung auf eine spätere Rückkehr. Nun fürchtet Wardi, ihr Urgrossvater könnte seine Hoffnung und damit seinen Lebensmut verloren haben. Auf der Suche nach einer Idee, wie sie ihm helfen könnte, beginnt Wardi, ihre Familie und Verwandten über die Vergangenheit zu befragen. Durch deren Geschichten versteht sie schliesslich, wie ihre Familie seit der Vertreibung im Exil gelebt hat.
Das Langfilmdebüt des norwegischen Trickfilmers Max Grorud setzt sich aus den persönlichen Erinnerungen von Wardis Verwandten zusammen wie die Stockwerke des Wohnturms, in dem sie alle miteinander leben. Dabei ist deutlich spürbar, dass Grorud Ort und Menschen persönlich kennengelernt hat, als er in den 1990er Jahren an der American University of Beirut studierte. Die verschiedenen Zeitebenen und Lebenserfahrungen der Protagonist*innen vermittelt er durch jeweils andere Animationstechniken: Wardis gegenwärtiges Leben im Lager erleben wir in handgebauten Dekors und Puppentrick, das Mädchen wiederum imaginiert ihre Familiengeschichten in einer Mischung aus Zeichentrick und Fotografien. Weil Grorud aus der Perspektive eines Kindes erzählt, das sich in die Erlebnisse der Erwachsenen hineinversetzt, ist seine Erzählung für ältere und jüngere Menschen gleichermassen zugänglich. Der Film wurde am Chicagoer Kinderfilmfestival mit einem Friedenspreis ausgezeichnet und kam auch bereits in mehreren Flüchtlingslagern im Libanon zur Aufführung.
- RegieMats Grorud
- LandFRNOSE
- Produktionsjahr2018
- Laufzeit1 Stunde 20 Minuten
- Sprache (Untertitel)Arabisch (Englisch/Deutsch)
- Altersfreigabe10+
